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    lundi, septembre 12, 2005

    THE HISTORY OF BUFFALO BOOTS

    (Bericht aus der FAZ)

    Ein Tier heißt so und auch ein Ort in Nordamerika. Wenn Kids auf deutschen Schulhöfen von Buffalos reden, dann ist jedoch weder das Tier noch die Stadt gemeint. Die Rede ist von Schuhen der schrillen Art, die heute der modebewußte Mensch unter dreißig unbedingt haben muß.
    Wir wollen sie einfach Veronika nennen, die junge Dame, Gymnasiastin der achten Klasse in einer deutschen Großstadt. Veronika hat kurz vor ihrem vierzehnten Geburtstag entdeckt, daß sie ohne die schwarzen Turnschuhe einer gewissen Firma Buffalo nicht mehr weiterleben könne. Gegen den heftigen inneren Drang war kein Kraut gewachsen. Sie plünderte ihr ohnehin schon angeschlagenes Sparbuch und ging auf Betteltour zu Tanten und Onkeln, die sie sonst nur mit einem "Iiiih" bedachte. Und was war der Gegenstand ihrer Begierde? Ein im großen und ganzen normaler Turnschuh, wäre da nicht die Sohle, ein sechs Zentimeter hohes Gebilde, das dieses sonst alltägliche Kleidungsstück irgendwo zwischen Moonboot und Raupenfahrzeug ansiedelt. Der Name Buffalo ist hierzulande unter den Menschen im Alter zwischen vierzehn und vierundzwanzig Jahren ein Begriff. "Buffalos sind keine Schuhe", sagt Veronika. "Buffalos sind eben Buffalos." Also eine Gattung für sich, und damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Auf Frankfurter Schulhöfen sind die Liegertage des "Towers" allgemeiner bekannt als die Regeln des Dreisatzes. Jeden Dienstag und Donnerstag bringt der große braune Liegerwagen mit dem unverkennbaren Schriftzug "Buffalo" Nachschub in den firmeneigenen Laden in der Stadt. An diesen Tagen ist der Türsteher des winzigen Geschäfts im Zentrum von Frankfurt bis aufs äußerste gefordert. Er muß den Sturm der Teenager auf die neue Lieferung aufhalten. Wenn der Massendruck zu groß wird macht er die Tür zu und läßt die gierigen Kunden, ganz wie in der alten DDR, nur noch gruppenweise ins Paradies. Die Kids kommen aus einem Umkreis von zwei-, dreihundert Kilometern angereist. Aus Idar-Oberstein, Kaiserslautern und Stuttgart. Sie riefen heute früh an, ob ihr Modell da sei, und dann haben sie sich in den Zug gesetzt. Wenn sie jetzt endlich hineingelassen werden, kann es sein, daß "ihr" Schuh nicht mehr da ist. Die Firma kommt mit den Lieferungen kaum nach.
    Manche sind alleine hier, andere in Begleitung ihrer Eltern. Die Eltern schauen sich entsetzt um: "Damit willst du dich in unserer Straße zeigen?" Ja, das genau will sie. Der Effekt ist präzise kalkuliert. Die schlanke schwarze Emilia verkauft Buffalo-Schuhe seit zweieinhalb Jahren und besitzt selbst eine größere Kollektion. Die Buffalo-Verkäuferin aus Überzeugung hat seinerzeit im ersten Laden in Wiesbaden angefangen. "Als wir die ersten Schuhe mit Plateau-Sohlen in die Regale stellten, lachten sich die Leute kaputt." Heute würde man diese Modelle als brav und lagweilig empfinden, jede Hausfrau könnte sie tragen. Damals aber wagten sich nur die Mutigsten vor. Die Experimentierfreudigen sahen die Schuhe in "Bravo", Heike Makatsch trug sie im Fernsehen. Und dann mußte man sie haben. Die künstliche Erdenschwere, die Klobigkeit, erzeugt durch die manchmal zwanzig Zentimeter hohen Plateau-Sohlen, trag den Nerv der Techno-Kids und über sie den einer ganzen Generation. Die Schuhe entsprechen einer Ästhetik, wenn man das Phänomen so nennen darf, die von verschiedenen Modezitaten und ihrer Entfremdung durch Mischen und Kontrastieren lebt. Buffalos wären ganz normale Schuhe, Turnschuhe, Sandalen, Stiefel oder Slipper, kämen nicht die wuchtigen Plateaus dazu, die ausgefallenen Farben und Materialien. Man trägt hohe Absätze und doch wieder nicht. Junge Mädchen, die Stöckelschuhe affig finden, aber von ihrem optischen Effekt trotzdem profitieren möchten, schlüpfen in einen Buffalo, und schon sind sie zehn Zentimeter gewachsen, obwohl sie doch nur Turnschuhe anhaben. Buffalos ziehen den Blick an. Einen Turnschuh kann jeder haben. Aber einen aus rosa Lackleder? Einen Stiefel aus zotteligem Fell? Einen Schuh aus Leopardenimitat? Wer so etwas trägt, ist Insider, der weiß, wo es langgeht. Auch wenn der Preis dafür häufiges Stolpern ist.
    Daß sie auf die Nase fielen, sei eben die größte Gefahr, die den Trägerinnen drohte, sagt Dr. Baron aus der Frankfurter Goethestraße, der sich selbst als "undogmatischen" Orthopäden bezeichnet. Ansonsten hat er nor ein mildes Lächeln für die neue Jugendmode übrig. Er findet, sie zwar scheußlich, drohende gesundheitliche Schäden jedoch vermag er nicht zu erkennen, Als wenn das jemals unter Modefans eine Rolle gespielt hätte! Natürlich sei die Abrollbarketi des Fußes nicht so gut, und sehr stabil sei man in den schwindelnden Höhen auch nicht. Da man aber einen solchen gewiß nicht ein Leben lang trage, hielten sich die Auswirkungen in Grenzen. Auf jeden Fall seien die Schuhe weniger schädlich als die echten Stöckelschuhe, so Dr. Baron. Und in der Tat, wer einmal in die Turnschuhe von Buffalo geschlüpft ist, wird feststellen, daß sie erstaunlich bequem sind. Mick Conradi heißt der Erfinder des Buffalo-Schuhs. Er ist ein großer blonder Mann Ende Vierzig, seoin Outfit läßt auf eine Künstlernatur schließen. Conradi wehrt die Bezeichnung Erfinder ab. Erstens seien Mitarbeiter aus seinem Team beteiligt gewesen, und zweitens sei man nur einem Trend gefolgt, der sich vor wenigen Jahren für diejenigen, die ein Gespür dafür hatten, deutlich abzuzeichnen begann. Conradi beschäftigt keine Trend-Scouts, er schaut lieber selbst auf der Straße, auf Parties. Und natürlich verfolgt er sehr genau, was in seinen inzwischen zwölf Läden passiert, von denen zwei an den schrillsten Londoner Modezeilen angesiedelt sind. Conradi, den der große Erfolg nur wenig berührt hat, ist kein Neuling in der Branche. Sein Start als Geschäftsmann vor inzwischen mehr als zwanzig Jahren war alles andere als konventionell.
    Der gelernte Beruf von Mick Conradi hat mit Schuhen nichts zu tun: Dem Wunsch seiner Eltern folgend, machte er eine Lehre als Elektromechaniker. Doch es wurde ihm schnell klar, daß der Achtstundentag seine Sache nicht war. Er mochte es zu reisen, ungebunden zu sein, den Tag nach seinem Geschmack einzuteilen. Er kam in dieser Zeit viel in der Welt herum, und in Mexiko lernte er die rahmengenähten Cowboystiefel kennen. Für dreihundertfünfzig Mark, fast sein gesamtes Startkapital, ließ er in einer Zeitung eine Anzeige schlaten: "Cowboystiefel für 99 Mark, billig durch Direktimport". Cowboystiefel waren damals so etwas Ähnliches, wie es Buffalos heute sind. Daß die Jugendmode sehr viel mit der Musik und den Images, die die Musik vermittelt, zu tun hat, begriff Conradi sofort. Die Reaktion auf die bescheidene Anzeigenkampagne war überwältigend. Conradis Versandhandel bestand aus einem Zimmer und einigen Paar Schuhen. Es reichte aus, wenn er alle zwei, drei Wochen die eingegangenen Bestellungen bearbeitete. So konnte er Geld verdienen und trotzdem in der Welt herumreisen. Über zwanzig Jahre lang war Conradi mit seinem Partner, der inzwischen ausgestiegen ist, der wichtigste Importeur von Cowboystiefeln der gehobenen Klasse. Aus dieser Zeit stammt auch der Name seines Unternehmens. Bald zog er in die Wiesbadener Innenstadt, damit die Kunden die Schuhe auch anprobieren konnten. Irgendwann war dann die große Zeit der Stiefel vorbei, etwas Neues mußte her. Wie sich die Wende von den Cowboystiefeln zu den Buffalos im einzelnen vollzog, kann Conradi nicht sagen. Sie war einfach da, und er wußte, was die Kids brauchten.
    Die Hersteller der Buffalo-Schuhe sitzen in Spanien und Mexiko. In Deutschland wäre die gleiche Flexibilität zum gleichen Preis nicht zu bekommen. Flexibilität aber ist für die jugendlichen Käufer das Entscheidende. Was er ihnen im kommenden Frühjahr anbieten wird, kann oder will Conradi noch nicht sagen. Buffalo werde gewiß ein bißchen weiter gehen, als seine Kunden im Moment zu gehen bereit sind, auf der anderen Seite werde man keinen totalen Gegensatz zum jetzigen Trend kreieren. Mehr als das nackte Prinzip ist dem Chef nicht zu entlocken.Buffalo macht einen jährlichen Umsatz von fünfundvierzig Millionen Mark. Der große Erfolg des Unternehmens fällt in eine Zeit, in der die deutsche Schuhindustrie jährliche Umsatzrückgänge von mehr als vier Prozent hinnehmen muß. Volker, der junge Geschäftsführer des "Towers", siehr den Grund für den Erfolg darin, daß man sich der bis heute so vernachlässigten Altersgruppe zwischen zwölf und dreißig zugewandt habe. Conradi und seine Kollegen fühlen sich in dieser Niesche wohl und wollen hier auch bleiben. Mann will keine gezähmten Versionen für das normale Volk herstellen, denn das wäre das Ende. Man will auch nicht mehr Schuhe verkaufen. Den Erfolg zu konsolidieren, aber das Geschäft vorläufig nicht auszuweiten, das ist das Programm. Die Exklusivität der Marke Buffalo will Conradi unbedingt wahren. "Wenn man in jedem Kaufhaus, in jedem Schuhgeschäft Buffalos kaufen kann, geht die Anziehungskraft für die Jugendlichen verloren." Deshalb hat Buffalo keine Vertreter, deshalb schaltet man keine Anzeigen. Die Werbung besorgen ohnehin andere: die Fernsehmoderatorinnen, die Trendzeitschriften, die Kinder selbst. Gegen das Kopieren der Buffalo-Modelle durch andere - meist viel größere Unternehmen - kann man sich kaum wehren. So erscheinen die von Conradi und Kollegen entworfenen Schuhe mir leichten Abwandlungen immer häufiger in den Schaufenstern herkömmlicher Schuhgeschäfte. "Billig", sagt Veronika und verzieht das Gesicht. Ein Imitat, sollte es auch nur die Hälfte eines Buffalos kosten, würde sie niemals anzeihen. Etwas fehlte den nachgemachten Schuhen immer, und wenn es nur eine Kleinigkeit wäre: das gelbe Markenzeichen.

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